Sabine Gastmann vom Verein Schlüsselblume Wilhelmshaven

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Foto: Larissa Strangmann

Ehrenamt macht glücklich, weil . . . „man eigentlich nur davon profitieren kann“

Sabine Gastmann blickt mit 54 Jahren bereits auf eine lange „Karriere“ im Ehrenamt zurück. Über 25 Jahre war sie als Kommunalpolitikerin im Stadtrat von Wilhelmshaven aktiv, und genau so lange ist sie schon Mitglied im Verein Schlüsselblume. Seit zwei Jahren ist sie nun Vorsitzende der Schlüsselblume.

Hauptberuflich ist sie seit 27 Jahren bei der GPS Wilhelmshaven angestellt, das ist die gemeinnützige Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit. Davon ist sie 20 Jahre leitende Angestellte des heilpädagogischen Wohnverbunds. „Das sind Wohneinrichtungen für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung und starken Verhaltensauffälligkeiten“, erklärt Gastmann.
Zum Vorsitz der Schlüsselblume kam sie über Dritte. Sie wurde unter anderem vom Leiter des Jugendamtes darum gebeten, weil sich die Suche nach einem Nachfolger so schwierig gestaltete. Ein Grund dafür war die hohe Verantwortung, die finanzielle Situation im Blick zu halten.

Die Schlüsselblume ist ein Verein, der sich um Kinder kümmert, die Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch haben. Der Verein beschäftigt zwei Mitarbeiter, die als Berater tätig sind, und immer vor Ort oder telefonisch erreichbar sind. An Sie können sich Erwachsene, aber auch Kinder, Jugendliche, Lehrer, Erzieher und andere wenden, wenn sie den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs haben.
„Die Schlüsselblume zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine Anlaufstelle ist, in der man erst Mal darüber sprechen kann, ohne dass irgendwas passiert. Wir sind also nicht verbunden mit der Polizei, und wir stellen auch keine Anzeigen, wenn die das nicht wollen. Das bedeutet, dass die Schlüsselblume eine Anlaufstelle ist, die sozusagen keine Barriere hat. Die Menschen können kommen und über ihre Erfahrungen sprechen. Wir stellen das nie in Frage, wir glauben immer, und beraten dann die einzelne Person, in welche Richtung es gehen kann“ erklärt Sabine Gastmann.

Die Hauptaufgabe, die sie hat, ist die Finanzierung und die Bekanntmachung des Vereins. Die Schlüsselblume benötigt jährlich bis zu 40.000 Euro, um ihre Ausgaben decken zu können, bekommt aber nur 7000 Euro Zuschuss. Jeweils 3500 Euro von der Stadt Wilhelmshaven, und 3500 Euro vom Land. Der ganze Rest muss durch Spenden gedeckt werden. “Wir sind schon immer auf Spenden angewiesen, und das ist auch im Grunde mein Hauptjob, immer wieder die Schlüsselblume und das Thema sexuellen Missbrauch bekannt zu machen. Einmal im Monat, alle zwei Monate halte ich Referate über die Schlüsselblume und gehe eben auch zu Spendenübergaben.“
Ihre schönsten Momente erlebte Gastmann beim Einsammeln von Spenden. „Das sind so Momente, ich hatte letztes Jahr eine Spendenübergabe von der Bundeswehr bekommen. Es war eine ganz besondere Spendenübergabe, weil alle so lebhaft über das Thema diskutiert haben.
Die Zusammenarbeit mit anderen Menschen und das Reden über sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen, was eigentlich ein Tabu-Thema ist, ist von großer Bedeutung, „wenn es Normal wird darüber zu sprechen, wenn es Normal wird, dass da Menschen sind, die sich mit dem Thema auskennen, dann wird es nicht mehr für Menschen, die eine Neigung haben, einfach sein, solche Übergriffe zu tätigen.“ Sie selbst ist mit diesem Thema über ihren Beruf bei der GPS sehr vertraut. „Wie früh und wie jung Kinder schon sexuell missbraucht werden, und das ist wirklich so, das ist, was mich unheimlich erschüttert“. Jährlich werden bis zu 50 Fälle sexuellen Missbrauchs bei der Schlüsselblume gemeldet, dabei sind die Betroffenen zwischen 0 und 18 Jahre alt.

Aber es gibt auch eine schöne Seite bei der Arbeit für die Schlüsselblume. Es wird viel positive Resonanz von der Umwelt entgegengebracht, „wo dann gesagt wird, toll dass du das machst und wenn man dann zu einer größeren Spendenübergabe eingeladen wird (…) das ist schon eine schöne Wertschätzung, die man erlebt“ erinnert sich Gastmann. Das ist auch ein Grund, warum sie sich so für den Verein engagiert, „ weil es Spaß macht. Es ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, es bringt einen mit ganz vielen anderen Menschen zusammen, und es bringt einen vielleicht auch mit Menschen zusammen, mit denen man sonst im Alltag nichts zu tun hätte.“
Soeke Heykes

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