Kurt Bernert fotografiert Schweinswale im Jadebusen

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Foto: Larissa Strangmann

Ehrenamt als Lebenseinstellung

Kurt Bernert ist neu in Wilhelmshaven, aber irgendwie auch schon mitten drin. Erst vor knapp einem Jahr zog es den gebürtigen Salzgitteraner an den Jadebusen.

Als der 67-Jährige im Frühjahr 2016 von seinem Bekannten Michael Hillmann das erste Mal mit auf die Suche nach Schweinswalen genommen wurde, war Bernert direkt fasziniert von der kleinsten in freier Wildbahn lebenden Waltierart. In der Folge bildete sich eine Gruppe aus sechs Leuten, die die gleiche Leidenschaft an Schweinswal-Beobachtung, Natur und Fotografie teilen. Sie informierten sich gegenseitig, wenn Schweinswale gesichtet wurden und fahren dann gemeinsam an die Küste, um Aufnahmen von den Walen zu machen.

Kurzerhand entschied sich die Gruppe, ihre Aufnahmen auszustellen und ging auf Sponsorensuche. Bernert betont, dass es keinesfalls kommerziell werden sollte; so wurden etwa keine monetären Spenden angenommen. Rein sachliche Spenden, wie zum Beispiel der Druck der Fotos in Großformat, wurden hingegen mit einem großen Dankeschön entgegen genommen. Es ging einzig darum, den Menschen die – aus ihren Augen – schönen Seiten von Wilhelmshaven vor Auge zu führen. „Wir machen das für die Leute, um zu zeigen wie schön Wilhelmshaven sein kann und ist. [..] Wilhelmshaven hat so viel Potenzial, dass man ausschöpfen könnte, wenn man es wollte.“

Und dieser Plan ging auf: die Gruppe erfuhr durch ihr Projekt von Wilhelmshavenern, aber vor allem auch von Touristen durchweg positive Resonanzen. Viele Besucher, von inner- wie außerorts, wussten nichts von dieser Attraktion, die sich quasi direkt vor ihren Augen abspielte. Die Schweinswale haben nämlich keinerlei Berührungsängste und trauen sich nah an die Deiche, Molen, Kaimauern und auch an Schiffe heran – einzig muss man wissen wann sich die Wale in diese Gebiete begeben. Dazu gehört bekanntermaßen ein Quäntchen Glück und etwas Geduld. Aber auch wenn die Gruppe mal keine Wale zu Gesicht bekam, störte das Bernert wenig: „Ja, dann hat man nichts gehabt. Aber man ist an der Luft gewesen, und man hat viel erlebt. Man hat dann die Vögel fotografiert, die Kormorane, die ja wirklich sehr interessante Tiere sind. Oder wenn sich mal ein Seehund mit einer Möwe um einen Fisch gestritten hat – das sieht man dann so alles.“

Doch warum eigentlich der ganze Aufwand – nur aus Freude an der Natur und Fotografie? „Ich will damit auch zeigen, dass man als Neuankömmling, als Rentner oder als Bürger auch was in die Wege leiten kann, und etwas für Wilhelmshaven zu tun. Wir müssen nicht immer nur auf Wilhelmshaven schimpfen, [..]. Wir haben hier in Wilhelmshaven tolle Ecken – innerhalb von wenigen Minuten ist man in der Stadt, am Meer oder draußen auf den Feldern. Man kann hier sehr viel machen und sehen.“ So setzt sich Bernert auch für den Erhalt und Schutz und Natur ein: bei jeder Fahrt an die Küste sammelt die Gruppe auch Müll von den Wegen und Deichen der Region.

Für die Zukunft wünschst sich Bernert einen Ort, wie etwa eine Galerie, in der Künstler ihre Arbeit präsentieren und ausstellen können, ohne Geld dafür bezahlen zu müssen. Denn auch in Zukunft will Bernert die schönen Seiten von Wilhelmshaven aufzeigen und verbreiten. Und auch dann wird es gemäß seines Mottos laufen: „Entweder mach ich was ganz oder gar nicht.“

Niklas Oberbach

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