Erwin Eisenberger von der Straffaelligenbetreuung der Diakonie Wilhelmshaven

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Foto: Larissa Strangmann

„Denn irgendwann sind sie wieder unsere Nachbarn“

Es bringt nichts, die Gefangenen nur wegzuschließen. Straffälligenhilfe besteht auch aus Resozialisierung und Hilfe zur Selbsthilfe.
„Ich bezeichne mich selber als Helfer im Außendienst der Diakonie WHV“, so Erwin Eisenberger schmunzelnd. Der 57-jährige ehemalige Berufssoldat blickt auf eine lange Karriere bei der Marine zurück. Und irgendwann endet jede Karriere. „Was kommt denn danach?“ musste auch Erwin sich irgendwann fragen. „Was kann ich denn vielleicht für unsere Gesellschaft tun?“ Die Berufssoldatenlaufbahn endet üblicherweise früh, viel Freizeit also, die gefüllt werden möchte.
Als Berufssoldat und Seemann kommt man herum. In Kiel ergab sich die Möglichkeit, beim Radio Schleswig Holstein (RSH) eine Ausbildung zum Telefonseelsorger zu absolvieren. Nach einer Versetzung nach Wilhelmshaven einige Jahre später bot sich dann über die Diakonie die Chance, bei der Betreuung und Entlassungsvorbereitung von Häftlingen der hiesigen JVA Oldenburg, Abteilung Wilhelmshaven mitzuwirken. Als ausgebildeter Telefonseelsorger weiß er mit den Sorgen und Nöten Anderer umzugehen.
In der JVA leitet er nicht nur den „Grundkurs Sucht“ und einen Gesprächskreis, sondern steht den Gefangenen auch sonst mit Rat und Tat zur Seite. Dazu gehört auch mal das gemeinsame „Abklappern von Ämtern“, wie Erwin es nennt „Als mir aber mal jemand eine Plastiktüte Inkassopost auf den Tisch kippte musste ich passen. Da mussten dann die Profis von der Schuldnerberatung der Diakonie ran.“
„Manchmal muss man aber auch mal auf die Bremse treten. Anfahrt, Termine, begleitete Ausgänge, Vorbereitung und Nachbereitung – da kommt vom Zeitansatz schon was zusammen.“ Seine Freizeit kommt dennoch nicht zu kurz. „Rentner haben den Terminkalender immer voll“, witzelt Erwin. Als ehemaliger Marathonläufer hält er sich auch im Alter mit Tauchsport, Nordic Walking und seiner „Muckibude“ fit, denn auch vom Ehrenamt muss man sich mal ablenken. „Ich bin mir dessen stets bewusst, dass ich mit meinem Wirken den ein oder anderen erreiche, aber mit Sicherheit nicht alle, aber um Wilhelm von Humboldt zu zitieren: ‚Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, welche dem Leben seinen Wert geben.“
Boris Krones

Kulturlotsin Elke Jankowski

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Foto: Larissa Strangmann

„Ich möchte nie aufhören zu lernen“
Ein Interview mit Elke Jankowski

Drogistin gelernt, lange Zeit in der Gastronomie und einem großen Modehaus tätig und damit ihr ganzes Leben lang immer unter Menschen, dort wo sich Elke wohlfühlt. Elke Jankowski ist 64 Jahre alt, sehr selbstbewusst und eine starke Persönlichkeit. „Manchmal muss man was sagen, die Leute sind oft viel zu angepasst!“ Ihren 33 jährigen Sohn zog sie alleine groß und man spürt wie stolz sie auf ihn ist, wenn sie von ihm erzählt. „Er geht mit Menschen ehrlich, höflich und freundlich um“, so wie ich es ihm beigebracht habe. „Das ist heute keine Selbstverständlichkeit.“
Vor 2 Jahren erhielt sie dann die betriebsbedingte Kündigung. „Ich habe gedacht, ich kann bis zur Rente dort bleiben“, erzählt sie und fügt hinzu: „Davon lasse ich mich nicht runterziehen!“. Nach dem Motto „Gesagt, getan“ machte sie sich auf den Weg nach einer ehrenamtlichen Arbeit, denn sie sagt: „Eine neue Aufgabe muss man sich selber suchen!“. Heute arbeitet sie im Altenpflege Besuchsdienst und als Kulturlotsin, da sie sich schon immer für Kunst und Kultur interessierte und sich so das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden lässt. Die Freiwilligenagentur bietet durch ehrenamtliche Begleiter wie Elke, ein Begleitprogramm an, das sich an alle bedürftigen Menschen in Wilhelmshaven richtet. So können gemeinsam verschiedene Veranstaltungen, zu vergünstigten Preisen besucht werden. „Wenn die älteren Leute sich so schick machen, mit Perlenkette und Handtäschchen und dem obligatorischen Gläschen Sekt während der Pause in der Hand, das ist so niedlich“, erzählt Elke freudig und betont wie wichtig sie es findet, „Dass Menschen Menschen helfen“. Eine Herausforderung sieht sie dabei, weitere Menschen für diesen Service zu begeistern. „Die meisten trauen sich nicht hier anzurufen“. Dabei ist dieser Service auch für alleinstehende und mobilitätseingeschränkte Menschen gedacht. Durch ihr Ehrenamt hat Elke einen regelmäßigen Austausch mit anderen, lernt stetig dazu und findet es wichtig, sich selbst auch in Frage zu stellen und zu reflektieren. „Man muss etwas für sich tun, um sich zu erhalten“. Für ihre Zukunft wünscht sie sich gesund zu bleiben, einfach weiter machen zu können und sich mit freundlichen und netten Menschen zu umgeben. Ehrenamtliche Arbeit macht glücklich weil: „Ich den Menschen Freude bringe und mir auch“.

Sabrina Schultze

Hermann Dratwa von der Tafel Wilhelmshaven

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Foto: Larissa Strangmann

Ehrenamt macht glücklich weil… „man einer sinnvollen Tätigkeit nachgeht“
„Das Schönste in der Woche ist für mich, wenn es Mittwoch ist und ich hier sein darf“. Zusammen mit den anderen Ehrenamtlichen bereitet Hermann Dratwa Mittwochs die Lebensmittel vor, die zum „Verkauf“ bei der Tafel angeboten werden. Dass er 83 jahre alt ist – ist dabei kein Thema. Eigentlich ist er gelernter Maurer, absolovierte ein Architektur- Studium und gründete 1961 sein eigenes Unternehmen. „Ich habe hier im Laufe meiner Tätigkeit in Wilhelmshaven rund 650 Projekte bearbeitet, wobei das nicht alles Häuser sind, (…) also man darf die Zahl nicht überschätzen“ erklärt Dratwa bescheiden. Mit 65 Jahren übergab er seinem Sohn die Firma und zog sich aus dem Geschäft zurück. Nachdem er eine gewisse Zeit den Ruhestand genossen hat, wurde er von mehreren Bekannten darauf angesprochen, ob er nicht bei der Wilhelmshavener Tafel helfen wolle. „Du hast doch Zeit“. So nach dem Motto, jetzt könne er doch einmal was Vernünftiges Machen, schmunzelt Drawa. Und tatsächlich ist er zur Tafel gegangen, und geblieben. Das war 2011. Die Wilhelmshavener Tafel versorgt derzeit jeden Tag 300 Personen mit Lebensmitteln und Hygieneartikel. Das Ziel ist es, alle qualitativ einwandfreien Nahrungsmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht verwendet werden können, an Bedürftige zu verteilen. Dabei finanziert sich der Verein allein durch Spenden und Sponsoren. Dratwa ist jeden Mittwoch von 9 bis 14 Uhr in der Tafel. Dort sortiert er Gemüse und die Waren aus, die hereinkommen. „Das mach ich jetzt seit Anfang an, und ich mach das auch sehr gerne“. Und er ist seit vier Jahren Schatzmeister der Tafel, und hat damit sämtliche Rechnungen sowie Spenden im Blick. Eine Menge Verantwortung.: „Als Schatzmeister ist es ebenfalls wichtig Leute zum Spenden aufzufordern“, erklärt er. Und natürlich berät er auch in allen architektonischen Fragen. „Ob es eine neue Schließanlage ist (…) oder wir draußen das Vordach vergrößern müssen, (…). Ja als Architekt gibt es immer eine Menge zu tun.“ Und wenn nicht gerade Mittwoch ist? Dann steht Dratwa am liebsten in seiner eigenen Werkstatt. Hier kann er seiner Kreativität freien Lauf lassen. „Ich schnitze Figuren, ich drechsle und solche Sachen.“ Trotz schon vorhandenen gesundheitlichen Problemen, lässt er sich nicht unterkriegen. „Mein Ziel ist es, (…) dass ich noch ein paar Jahre habe, in denen ich aktiv sein kann.“ Sein Trainingsprogramm am Morgen: das Kreuzworträtsel in der Wilhelmshavener Zeitung“, sagt Dratwa mit einem Lachen im Gesicht.
Fabian Poziemski

Andreas Janssen vom Sportbund Wilhelmshaven

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Foto: Larissa Strangmann

„Ein Schritt nach dem anderen“

Andreas Janßen ist ein Mann mit vielen Interessen. Neben seiner Arbeit im öffentlichen Dienst bei der Stadt Wilhelmshaven im Bürgeramt, ist er noch ehrenamtlich als Vorsitzender der Sportjugend im Stadtsportbund (SSB) und als Fach-und Kreisjungendwart der Tischtennis-Kreisverbände in Wilhelmshaven tätig.

Der SSB ist die größte Jugendorganisation in ganz Wilhelmshaven, denn es engagieren sich mittlerweile circa 5400 Jugendliche im Vereinssport und nach Aussage von Andreas Janßen, waren es sogar schon mal weit mehr. „Wir betreuen als Dachorganisation Jugendliche im Verein, wenn es Sorgen und Nöte gibt und machen Aktionen.“

„Angefangen hab ich als kleines Helferlein“, so Andreas Janßen. Seit 1981 nimmt er sich schon ehrenamtlich den Aufgaben im SSB an. Aufmerksam auf die ehrenamtliche Tätigkeit wurde er damals durch die Osterjugendtage, die es zu seinem Bedauern heutzutage nicht mehr gibt. Mit der Zeit arbeitete er sich hoch, zunächst zum stellvertretenden Vorsitzenden der Sportjugend, bis er dann vor acht Jahren in den Vorstand gewählt wurde.
Zur Sportjugend Nord gehören die Sportjugend Wittmund, Sportjugend Friesland und Sportjugend Wilhelmshaven. Dabei ist Wittmund für die Bildung und Freizeiten verantwortlich und Friesland für das Junioren-Team. Dass sich der SSB nicht nur mit vergnüglichen Angelegenheiten befasst ist zurzeit in Wilhelmshaven erkennbar, denn dort wird besonders das Thema „Sexualisierte Gewalt im Sport“ in Kooperation mit der Schlüsselblume behandelt. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf drei Problemfälle gerichtet: Sexuelle Übergriffe von Kindern und Jugendlichen untereinander, elterliche Gewalt bei der die Übungsleiter als Vertrauenspersonen fungieren sollen und Übergriffe von Übungsleitern auf Kinder. „Leider ist die Resonanz der Vereine gleich Null“, merkt Andreas Janßen an, was er schade findet, da er es als ein wichtiges Thema in der Gesellschaft empfindet.
Ein weiteres Projekt ist für 2017 geplant. Es soll eine Black-Light-Boßelanlage geben. Gesponsert wurde die Anlage bereits vom Landessportbund. „Es muss ja ganz witzig aussehen, wenn die Kugeln dann mit den leuchtenden Klebefolien durch die Halle rollen“ lacht Andreas Janßen. Boßeln ist nur eine von vielen Sportarten, die man dort ausüben kann, doch zunächst einmal „ein Schritt nach dem anderen“ merkt der Wilhelmshavener an.
Die ehrenamtliche Arbeit bereitet ihm viel Vergnügen, doch wie er selbst sagt: „Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen.“ Wenn zum Beispiel politische Entscheidungen getroffen werden müssen, die auch an die Öffentlichkeit getragen werden, stößt er schon manchmal auf viel Gegenwehr. Auch würde er sich wünschen mehr jüngere Menschen für Vorstandsposten zu begeistern.
Marie Fleßner

Andreas Gürth von der Rettungshundestaffel Wilhelmshaven

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Foto: Larissa Strangmann

Ehrenamt macht glücklich, weil . . . „es einem für das eigene Leben etwas wiedergibt“
Andreas Gürth ist 61 Jahre alt und arbeitet als Buchhalter für eine Behindertenwerkstatt in Emden. Zusammen mit seiner Frau wohnt er im kleinen Ort Horsten. Obwohl er einen elfstündigen Arbeitstag hat, engagiert er sich seit über 18 Jahren als Hundeführer in der Rettungshundestaffel Wilhelmshaven.
Alles begann 1997. Gürths erster Hund wurde von einem Nachbarshund angegriffen. Dieser Vorfall zeichnete ihn so stark, das er vor jedem seiner Artgenossen Angst hatte. Um ihrem Hund zu helfen, entschlossen sich Gürth und seine Frau eine Hundeschule zu besuchen. Ihr Tierarzt, bei dem Gürths Frau arbeitete, empfahl ihnen die Hundeschule der Rettungshundestaffel in Wilhelmshaven. Während Gürth und sein Hund die Hundeschule besuchte, weckte die Rettungshundestaffel sein Interesse, „ es hat mir gefallen, was die da machen, die Kombination, man arbeitet mit dem Hund, bringt ihm etwas bei und kann noch etwas Gutes für die Allgemeinheit tun“.
Die Rettungshundestaffel in Wilhelmshaven ist eine von über 90 Staffeln die bundesweit im Einsatz sind und zum Katastrophenschutz gehören. Sie trainieren jeden Samstag acht Stunden lang die Flächen- und Trümmersuche, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein. „Draußen am Rosenhügel im Stadtpark, da ist ein alter Wehrmachtsbunker den nutzen wir für das Trümmertraining, das angrenzende Waldgebiet dürfen wir als Trainingsgebiet für die Flächensuche nutzen. Im Bunker sind verschiedene Trümmerverstecke gebaut. Die Deckenstärke besteht aus eineinhalb Meter Beton, also für 4000 Jahre gebaut“, erzählt Gürth mit einer spürbaren Begeisterung.
Seit knapp vier Jahren trainieren er und sein Berner Sennenhund zusätzlich jeden Mittwochabend die biologische Wasserortung, um Ertrunkene zu finden.
Obwohl Gürth einen typischen Bürojob hat, merkt man, dass er ein naturliebender und aktiver Mensch ist. Seine Freizeit opfert er, bis auf die Spaziergänge mit seinem Hund, fast vollkommen der Rettungshundestaffel. Dabei kann die Familie durch eine Einsatzmeldung auch manchmal zu kurz kommen, „vor knapp zwei Jahren war es, am 24 Dezember um 14 Uhr (…), die Familie kommt um Weihnachten zu feiern und man stellt sich die Frage, muss das jetzt sein? Auf der anderen Seite, wofür arbeite ich das ganze Jahr, um dann im Einsatzfall nicht da zu sein, um eventuell einem Menschen das Leben zu retten.“
Einen typischen Einsatz gibt es nicht. Jeder ist anders und sie finden zu einem zweidrittel in der Nacht statt. Im Weser-Ems-Gebiet sind dies zum Großteil Flächeneinsätze in bewaldeten Gebieten. Der Einsatzleiter erhält vor Ort von der Polizei, oder der Feuerwehr das Suchgebiet zugeteilt und der Zugführer teilt die Teams ein, die aus einem Hundeführer, seinem Hund und einem Suchgruppenhelfer bestehen, alle mit GPS ausgestattet. Die Aufgaben sind klar verteilt. Der Hundeführer lenkt den Hund, der Helfer hält Funkkontakt zum Zugführer und weist auf Gefahren hin und der Hund versucht den Geruch eines Menschen aufzunehmen. „Wenn die einmal einen Geruch haben, dann lassen sie sich durch nichts abhalten. Da kann man den Hund rufen, zurückrufen, der Hund geht dahin, bellt dort und bleibt dort“ erinnert sich Gürth, „wir sagen dazu sogenannter gewollter Ungehorsam.

 

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Das Schönste für Gürth ist der Moment, wenn sie jemanden lebendgefunden haben, „das ist immer wie Weihnachten und Neujahr an einem Tag“. Aber auch wenn sie jemanden finden der nicht mehr lebt, ist das ein Erfolg, „ die Familie desjenigen hat ihn wieder und lebt nicht jahrelang irgendwo in Ungewissheit“, erklärt Gürth. Dabei bleibt sich die Rettungshundestaffel bei jedem Einsatz einem Grundprinzip treu, Teamgeist. Nicht der Einzelne findet jemanden, sondern die Staffel und wenn noch andere Einsatzkräfte beteiligt waren, dann ist es egal wer die Person gefunden hat, solange sie gefunden wurde.
Für andere, die sich engagieren wollen, weist Gürth auf die Verantwortung hin, die eine solche Arbeit mit sich bringt, „wenn ich irgendwas anfange, dann will ich das auch richtig machen. Es hat keinen Sinn irgendwas anzufangen und das nur halb und halb und dann zu sagen ok ich bin zwar zuhause aber hab keine Lust, was bringt mir das? Entweder ich mach es richtig, oder ich mach es gar nicht.“
Soeke Heykes