Andreas Gürth von der Rettungshundestaffel Wilhelmshaven

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Foto: Larissa Strangmann

Ehrenamt macht glücklich, weil . . . „es einem für das eigene Leben etwas wiedergibt“
Andreas Gürth ist 61 Jahre alt und arbeitet als Buchhalter für eine Behindertenwerkstatt in Emden. Zusammen mit seiner Frau wohnt er im kleinen Ort Horsten. Obwohl er einen elfstündigen Arbeitstag hat, engagiert er sich seit über 18 Jahren als Hundeführer in der Rettungshundestaffel Wilhelmshaven.
Alles begann 1997. Gürths erster Hund wurde von einem Nachbarshund angegriffen. Dieser Vorfall zeichnete ihn so stark, das er vor jedem seiner Artgenossen Angst hatte. Um ihrem Hund zu helfen, entschlossen sich Gürth und seine Frau eine Hundeschule zu besuchen. Ihr Tierarzt, bei dem Gürths Frau arbeitete, empfahl ihnen die Hundeschule der Rettungshundestaffel in Wilhelmshaven. Während Gürth und sein Hund die Hundeschule besuchte, weckte die Rettungshundestaffel sein Interesse, „ es hat mir gefallen, was die da machen, die Kombination, man arbeitet mit dem Hund, bringt ihm etwas bei und kann noch etwas Gutes für die Allgemeinheit tun“.
Die Rettungshundestaffel in Wilhelmshaven ist eine von über 90 Staffeln die bundesweit im Einsatz sind und zum Katastrophenschutz gehören. Sie trainieren jeden Samstag acht Stunden lang die Flächen- und Trümmersuche, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein. „Draußen am Rosenhügel im Stadtpark, da ist ein alter Wehrmachtsbunker den nutzen wir für das Trümmertraining, das angrenzende Waldgebiet dürfen wir als Trainingsgebiet für die Flächensuche nutzen. Im Bunker sind verschiedene Trümmerverstecke gebaut. Die Deckenstärke besteht aus eineinhalb Meter Beton, also für 4000 Jahre gebaut“, erzählt Gürth mit einer spürbaren Begeisterung.
Seit knapp vier Jahren trainieren er und sein Berner Sennenhund zusätzlich jeden Mittwochabend die biologische Wasserortung, um Ertrunkene zu finden.
Obwohl Gürth einen typischen Bürojob hat, merkt man, dass er ein naturliebender und aktiver Mensch ist. Seine Freizeit opfert er, bis auf die Spaziergänge mit seinem Hund, fast vollkommen der Rettungshundestaffel. Dabei kann die Familie durch eine Einsatzmeldung auch manchmal zu kurz kommen, „vor knapp zwei Jahren war es, am 24 Dezember um 14 Uhr (…), die Familie kommt um Weihnachten zu feiern und man stellt sich die Frage, muss das jetzt sein? Auf der anderen Seite, wofür arbeite ich das ganze Jahr, um dann im Einsatzfall nicht da zu sein, um eventuell einem Menschen das Leben zu retten.“
Einen typischen Einsatz gibt es nicht. Jeder ist anders und sie finden zu einem zweidrittel in der Nacht statt. Im Weser-Ems-Gebiet sind dies zum Großteil Flächeneinsätze in bewaldeten Gebieten. Der Einsatzleiter erhält vor Ort von der Polizei, oder der Feuerwehr das Suchgebiet zugeteilt und der Zugführer teilt die Teams ein, die aus einem Hundeführer, seinem Hund und einem Suchgruppenhelfer bestehen, alle mit GPS ausgestattet. Die Aufgaben sind klar verteilt. Der Hundeführer lenkt den Hund, der Helfer hält Funkkontakt zum Zugführer und weist auf Gefahren hin und der Hund versucht den Geruch eines Menschen aufzunehmen. „Wenn die einmal einen Geruch haben, dann lassen sie sich durch nichts abhalten. Da kann man den Hund rufen, zurückrufen, der Hund geht dahin, bellt dort und bleibt dort“ erinnert sich Gürth, „wir sagen dazu sogenannter gewollter Ungehorsam.

 

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Das Schönste für Gürth ist der Moment, wenn sie jemanden lebendgefunden haben, „das ist immer wie Weihnachten und Neujahr an einem Tag“. Aber auch wenn sie jemanden finden der nicht mehr lebt, ist das ein Erfolg, „ die Familie desjenigen hat ihn wieder und lebt nicht jahrelang irgendwo in Ungewissheit“, erklärt Gürth. Dabei bleibt sich die Rettungshundestaffel bei jedem Einsatz einem Grundprinzip treu, Teamgeist. Nicht der Einzelne findet jemanden, sondern die Staffel und wenn noch andere Einsatzkräfte beteiligt waren, dann ist es egal wer die Person gefunden hat, solange sie gefunden wurde.
Für andere, die sich engagieren wollen, weist Gürth auf die Verantwortung hin, die eine solche Arbeit mit sich bringt, „wenn ich irgendwas anfange, dann will ich das auch richtig machen. Es hat keinen Sinn irgendwas anzufangen und das nur halb und halb und dann zu sagen ok ich bin zwar zuhause aber hab keine Lust, was bringt mir das? Entweder ich mach es richtig, oder ich mach es gar nicht.“
Soeke Heykes

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